netzwerk_funktionFunktionsdiagnostik und Therapie als neuer Fachbereich der Zahnheilkunde



Krankheiten des Bewegungsapparates sind mittlerweile die häufigsten Krankheiten in der Bevölkerung. Funktionelle Störungen in einem Körpergebiet können sich durch muskuläre Kettenverschaltungen in andere Körperregionen verlagern und schmerzhafte oder nicht schmerzhafte Beschwerden, wie auch strukturelle Veränderungen verursachen.

Störungen im Kauapparat zählen, neben anderen Faktoren, ebenso zum Ursachenkomplex dieser Erkrankung. So können Fehlstellung oder Verlagerung des Kiefers (durch unsachgemäße zahnärztliche Behandlungen, besonders Prothetik Kieferorthopädie) und oder Bruxismus (Pressen und Knirschen), Störungen in andere Körperregionen übertragen. Umgekehrt können Fehlfunktionen aus anderen Körperregionen sich auch in der Kopf-, Gesichts- und Kaumuskulatur und in den Kiefergelenken negativ auswirken.

Eine interdisziplinäre und eine ganzheitliche Betrachtungsweise ist somit unabdingbar. Vorbeugende Maßnahmen schon im Kindesalter ersparen späteres Leiden. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass Sie unsere Praxis mit dem „richtigen Biss“ verlassen, denn er beeinflusst Ihre Körperhaltung, Ihre Lebensqualität und den ganzen Körper positiv und hält Ihren Bewegungsapparat ein Leben lang „in bester Funktion“.

Unser Ziel ist nicht ein mechanistisches „Austherapieren“, sondern ein ausgeglichenes, ausbalanciertes Kausystem unter Betrachtung Ihrer „Zahngeschichte“ und Ihrer Körperstatik.




Was bedeutet Funktionsdiagnostik und Funktionstherapie?

Warum wird eine Funktionstherapie notwendig?

Wer kann von einer CMD betroffen sein ?

Ablauf einer Funktionstherapie

CMD Check für Patienten / Selbsttest





Was bedeutet Funktionsdiagnostik und Funktionstherapie?

Der Begriff Funktionsdiagnose bezeichnet eine spezielle Untersuchung des gesamten Kausystems auf dessen „Funktion“, nämlich dem Zusammenspiel von weichen und festen Strukturen der Kopf- und Hals-Region wie z. B. Zähne, Kiefergelenke, Halswirbelsäule und des neuromuskulären Bereichs.

Der Mensch und speziell die Kopf- und Hals-Region sind eine funktionelle Einheit. Denken Sie daran, dass Ihr Körper eine Art komplexe und effektive Maschine ist. Allein im Kopf-Hals-Bereich besteht er aus sehr vielen „Zahnrädern“ (siehe Bild), die eine funktionelle Einheit bilden und nach dem Prinzip eines Regelkreises arbeiten. Die Zähne z. B. sind ein fester Bestandteil des Skeletts, welches wiederum mit den Muskeln verbunden ist. Für eine einwandfreie Funktion müssen alle diese Zahnräder störungsfrei arbeiten.

mechanik

Beispiel 1:
Machen Sie selbst die Probe:
Nehmen Sie ein Haar zwischen Ihre Zähne und Sie werden diese hundertstel Millimeter dünne „Störung“ spüren, die, wenn sie nicht beseitigt wird, irgendwann so genannten Zahnstress verursacht und zu einem Ungleichgewicht innerhalb des Regelsystems Zähne, Skelett und Muskeln der Kopf-Hals-Region führt. Solche Bissstörungen können z. B. durch falsche Füllungen, Kronen, Prothesen, fehlende Zähne oder durch einen Zahnfehlstand entstehen.

Beispiel 2:
Wenn ein Mensch mit psychischem Stress belastet ist, benutzt er sein Kauorgan häufig als Ventil, Kaumuskeln werden mehr als sonst aktiviert und führen zu Muskelverspannungen bis hinunter zur Halsmuskulatur, was ebenfalls zu einem Ungleichgewicht innerhalb des Systems führt. Andere Systemkomponenten wie Zähne, Kiefergelenke und Halswirbelsäule werden nach dem Prinzip des Regelkreises dadurch übermäßig belastet und nehmen, wenn der Reiz (in diesem Fall Stress) nicht beseitigt wird, Schaden.

Beispiel 3:
Verspannungen oder Blockaden im Bereich der Wirbelsäule führen zur Fehlstatik des Körpers, welche durch eine Veränderung der Kopfhaltung und Kopfbewegung auch zur Störung im Bereich des Kausystems (Zähne, Kiefergelenke und Muskulatur) führt. In vielen Studien konnte dieses „aufsteigende Problem“ inzwischen nachgewiesen werden.

Aufgrund all dieser Störungen bricht zwar der Körper nicht zusammen, aber er gerät aus dem Gleichgewicht. Vor allem dann, wenn die Stresssicherungssysteme (individuelle Körpertoleranz) überlastet sind und die Störung nicht beseitigt wird, stellen sich auf Dauer entsprechende Schädigungen ein. Das können Schäden an den Zähnen und Knochen (Kiefergelenken), Verspannungen der Kau- und Nackenmuskulatur und in der Folge Zahn- oder Kopfschmerz bis hin zu Tinnitus sein, die Symptome sind dabei sehr vielfältig. Bei all diesen Störungen wie Stress, mechanischen Belastungen (körperliche Arbeit, Arbeit am PC usw.), systemischen Erkrankungen oder chemischen Reizen usw., die der Körper tagtäglich aushalten muss, ist das kein Wunder. Deshalb sollte von Zeit zu Zeit einmal eine Kontrolle und ggf. ein Justieren erfolgen.




Warum wird eine Funktionstherapie notwendig?

Wie Sie erfahren haben, kann durch eine Vielzahl von Risikofaktoren oder Reizen im Zusammenspiel der Strukturen der Kopf- und Hals-Region ein Ungleichgewicht auftreten. Diese Störung kann über einen längeren Zeitraum jedoch weitgehend unbemerkt bleiben, oder aber vorübergehende Beschwerden verschwinden wieder, weil das Problem nur symptomatisch (z. B. durch Schmerztabletten) gelindert wurde. Allerdings kann es bei einem nächsten mitunter geringfügigen Anlass erneut akut werden. Im Laufe der Zeit kann sich daraus sogar ein chronisches Beschwerdebild entwickeln.
Dieses Krankheitsbild, akut oder chronisch, wird als CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) zusammengefasst.

Leider wird die CMD als Ursache von Schmerzen im Kiefer-, Gesichts- und Kopfbereich in der Öffentlichkeit aber auch in Fachkreisen durch Informationsmangel nicht oder zu spät erkannt. Eine CMD lässt sich ursächlich nicht alleine medikamentös behandeln.
Dies ist nur mit speziellen Behandlungsmethoden und durch fachübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Behandlern bis hin zur Verhaltenstherapie möglich.

Ziel ist es, Muskelverspannungen insbesondere im Kopf- und Halsbereich zu lösen, indem man bei Bedarf den Biss korrigiert oder das Kiefergelenk entlastet. So erreicht man eine Harmonisierung im Kausystem und eine ausgeglichene Muskelspannung. Je mehr krankmachende Faktoren des Krankheitsbildes beseitigt werden, umso größer ist der Erfolg. Das heißt, nur bei ganzheitlicher Betrachtungsweise und Therapie ist die Chance gegeben, diesen Erfolg zu erzielen.

Aus diesem Grund gibt es Fachzahnärzte für Funktionsdiagnostik und -therapie. Unsere Aufgabe ist es, diese Funktionsstörung zu erkennen und zu behandeln.




Wer kann von einer CMD betroffen sein?

Im Prinzip können Kinder wie auch Erwachsene in jedem Alter von einer CMD betroffen sein. Am häufigsten sind Frauen jüngeren bis mittleren Alters betroffen (achtmal mehr als Männer). Die Wissenschaft ist sich noch im Unklaren, warum dass so ist. Endokrine und hormonelle Aspekte werden diskutiert, möglicherweise auch Stress und Mehrfachbelastung der Frau in Familie und Beruf.

Auch Personen im Prüfungsstress, Managerstress, oder Personen in Lebenskrisen können bevorzugt eine CMD entwickeln, besonders durch Parafunktionen oder erhöhte Muskelaktivität durch psychische Belastung. Nicht selten ist auch eine zahnärztliche Behandlung der Auslöser, z.B. können zu hohe oder zu niedrige Kronen, Brücken, Prothesen oder sogar Füllungen der Auslöser für eine CMD sein

Häufigkeit einer CMD oder eines chronischen Schmerzes

Häufigkeit (CMD):40-60%
Verhältnis Frau zu Mann etwa 9:1
davon Behandlungsbedürftig: ca. 10-20%

Häufigkeit eines chron.Schmerzsyndroms im Bereich des Bewegungsapparates: ca. 25 % der Erwachsenen (im Alter zw.20-50) in Industrienationen, etwa 10% davon leiden an chron. Kopfschmerzen

Quellenangaben:
Freesmeyer. ABC der Schienentherapie. Protokoll, Bay.Zahnärztetag 20062006; S.11 DMS III (Deutsche Mundgesundheitsstudie 2006)

Quellenangaben:
U. Lotzmann. Kopf- u. Gesichtsschmerz interdisziplinär.Edition Wissen Kompakt ISAP (Internatonal Ass. for the Study of Pain)




Ablauf einer Funktionstherapie:

Nach einer Erstuntersuchung mit sorgfältiger Erhebung der Krankheitsgeschichte, ist die Grundlage einer erfolgreichen Therapie, die so genannte Funktions- und Strukturanalyse. Hierbei wird durch spezifische Belastungs- und Funktionstests ermittelt, welche Strukturen des Kausystem und des oberen Bewegungsapparates geschädigt sind. Bei Bedarf wird diese Untersuchung durch weitere Screeningtests, instrumentelle Funktionsanalyse, computergestützte Aufzeichnung von Kieferbewegungen, Modellanalysen, MRT oder entsprechende Co-Therapeutischen Untersuchungen ergänzt. Somit lässt sich die Diagnose CMD zielsicher stellen.

Nach Auswertung der erhobenen Befunde und einer Diagnosestellung erfolgt eine individuelle Behandlungsplanung. Therapeutische Maßnahmen werden durch enge Zusammenarbeit mit Co-Therapeuten (z. B. Physiotherapeuten, Psychotherapeuten, Orthopäden, Neurologen) ergänzt.

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CMD Check für Patienten

Hier können Sie prüfen, ob bei Ihnen eine CMD Untersuchung evtl. notwendig ist. Je mehr Fragen Sie mit „ja“ beantworten, umso wahrscheinlicher ist das Vorliegen einer solchen Störung.

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Sollten Sie unsicher sein, ob bei Ihnen eine solche Untersuchung sinnvoll ist, können Sie uns gerne für eine kostenlose Voruntersuchung telefonisch kontaktieren


Informative Links zu diesem Thema finden Sie unter:
Links/Funktionsdiagnostik



pdf Stellungnahme DGKMK zu CMD
pdf Stellungnahme DGZMK zur instrumentellen Funktionsanalyse



 

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